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(red)



Bewusster wahrnehmen
© Kathbild.at/RupprechtDer Wiener Erzbischof rief zusammen, 1200 Delegierte folgten seinem Ruf, um mit ihm gemeinsam "Apostelgeschichte" weiter zu schreiben.

Am letzten Tag der Diözesansynode legte Kardinal Christoph den Versammelten dar, was er nach drei Tagen intensiver Arbeit und aufmerksamen Hinhörens aus der Versammlung mitnehmen wolle. „Ich möchte bewusster und dankbarer wahrnehmen, wie vieles von so vielen in dieser Erzdiözese getragen wird und möchte wertschätzender auf das schauen, was durch so viele Herzen und Hände geschieht“. Weiters wolle er noch bewusster auf das schauen, was Schmerz und Leidensdruck verursache, aber auch auf das, was an Neuem wachse. Er werde noch mehr als bisher mit den Bischöfen der Weltkirche das Gespräch und den Austausch über die Anliegen und Erfahrungen der Pfarrgemeinden suchen. Auch werde er selbst bewusster „face to face“ (von Angesicht zu Angesicht, direkt) über seinen Glauben sprechen, „auch in den Sphären der Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Er wolle junge Menschen „noch mehr und direkter darauf ansprechen, ob sie nicht einen geistlichen Beruf ergreifen wollen“. „Und“, so der Kardinal, „ich werde euch allen lästig sein“. Mit seinem besonderen und wichtigen Anliegen, die Kirchen offen zu halten und mit seinem dringenden Wunsch, dass es in jeder Gemeinde ein „Welcome-Service“ (freundliches Empfangskomitee), geben soll: „Wir müssen den Menschen zeigen: Wir freuen uns, dass Sie da sind“, unterstrich der Erzbischof.
Auf Meldungen der Tagespresse Bezug nehmend stellte Schönborn am dritten Tag der Diözesanversammlung noch einmal klar, dass es in der Erzdiözese keine Auflösung von Pfarren geben werde. Es werde aber überlegt, Gotteshäuser anderssprachigen katholischen oder auch orthodoxen Gemeinden zu überlassen oder sie mit ihnen zu teilen.

Fünfmal „Ja“
Fünf „Ja“ hatte Kardinal Schönborn drei Tage davor in seiner Eröffnungsansprache den versammelten Delegierten ans Herz gelegt. Es gehe darum, „Ja“ zu sagen zu dem Heute, in dem wir leben: „Wir leben nicht in den kirchenboomenden fünfziger Jahren, in den konzilsbegeisterten sechziger Jahren, in den stürmischen Jahren nach 1968. Wir leben heute“, sagte der Kardinal und unterstrich, dass Gott diese Zeit und die Menschen heute liebe“. Ein weiteres „Ja“ zur konkreten Situation bestehe auch darin, dass manches losgelassen werden müsse, „was uns unersetzlich scheint“. Es gehe aber auch darum, „Ja“ zu sagen, zu dem „was wächst, was Förderung braucht“.

Jede/r ist „Gesicht der Kirche“
Eindringlich appellierte der Wiener Erzbischof, „Ja“ zu sagen „zu unserer gemeinsamen Berufung als Getaufte und Gefirmte“. Wie im ersten Satz von „Lumen Gentium“, der Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, betont wird, sei jeder und jede „Gesicht der Kirche“, auf dem Christus, das Licht der Menschen, leuchte. Deshalb sei der „Sendungsauftrag“ aller Getauften zuerst ein persönlicher, die Mission gehe immer „face to face“ (weshalb diese Diözesanversammlung ein weitgehend „papierfreier“ und somit sehr „moderner“ Vorgang sei). Schönborn wies auf das zunehmend wichtiger werdende „Ja“ zum Prinzip der  „Stellvertretung“ hin: „Als aktive Minderheit in unserer Gesellschaft wird es immer wichtiger, das wir das Prinzip ‚Stellvertretung‘ leben und annehmen: Wir tragen im Glauben, in unserem Beten und Feiern viele andere mit.“ Man könne es den „anderen“ auch gelegentlich sagen, dass ihre Sorgen und Anliegen in die Messfeier mitgenommen würden.
Zuletzt erinnerte der Kardinal an das „Ja“ zum gesellschaftlichen Auftrag der Christen, der ein wesentlicher Teil ihrer Mission sei und der bereits u. a. von Pfarren, Gemeinden, Gemeinschaften und kirchlichen Einrichtungen in einem großes Netzwerk der Nächstenliebe wahrgenommen werde.

(Der Sonntag, Stefan Kronthaler)


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