Wie ist die diözesane Stimmung jetzt kurz vor der
2.
Diözesanversammlung?
Wie sind die Erwartungen?
Scharf: Die
Stimmung ist durchaus vielschichtig. Einerseits hören wir von großer
Vorfreude, gerade von jenen, die bei der 1. Diözesanversammlung dabei
waren und die sich aufgrund der Atmosphäre, aufgrund dessen, was sie
erlebt haben, freuen. Andererseits sind natürlich Fragen da. Wie wird
es mit den eingebrachten Themen weitergehen, die bei der
1.
Diözesanversammlung im Oktober angesprochen worden sind?
Wie
wird mit diesen „Gruppen-Ergebnissen umgegangen, welche Rolle spielen
sie bei der 2. Diözesanversammlung?
Scharf: Regina Polak vom
„Institut für Praktische Theologie“ hat die Gruppenergebnisse
aufgearbeitet. Das wird der Einstieg in den ersten Teil der 2.
Diözesanversammlung sein, wo wir einen Rückblick auf die
1.
Diözesanversammlung geben werden und wo es zu den sieben Themenbereichen
eine Zusammenfassung von Regina Polak geben wird, jeweils zu dem
betreffenden Thema. Wir haben versucht, Menschen zu finden, die zu den
Themenbereichen Interessantes zeugnishaft sagen können. Die Themen
werden hier und in der Gruppenphase präsent sein, es wird wieder zu den
sieben Themen Gruppen geben. Ich gehe davon aus, dass es eine organische
Weiterarbeit geben wird.
Worum geht es – einfach gesagt – bei
der 2. Diözesanversammlung?
Scharf: Das Grundthema, das wir uns
im Blick auf die Vorbereitung der Missionswoche im Mai vorgenommen
haben, ist die Frage nach der Haltung in der Mission. Wie gehe ich in
ein Gespräch, bei dem ich von der Hoffnung Zeugnis geben möchte, die
mich erfüllt. Dazu gibt es Arbeitsgruppen, ausgeweitete Zeiten des
„offenen Mikrophons“, es wird Raum da sein, auch noch andere Themen
einzubringen. Wir werden eine sehr bunte Palette an Themen haben. Die
Grundfrage ist: Wie gehe ich in ein missionarisches Gespräch, sodass es
freundlich, sympathisch, werbend, beim Anderen ankommen kann.
Wenn
die Delegierten am 13. März den Dom verlassen, was sollen sie erfahren
haben und was sollen sie mitnehmen?
Scharf: Ich hoffe, dass sie
Bestärkung mitnehmen. Sie werden eine Diözesanleitung erlebt haben, die
präsent war und zugehört hat. Dazu kommt hoffentlich eine große Freude
für die Vorbereitung der Missionswoche im Mai.
Wer sind die
Adressaten unseres missionarischen Tuns?
Scharf: Alle Menschen,
denen wir begegnen. Mission ist eine Lebensaufgabe, in der Nachfolge zu
wachsen, Jesus Christus immer tiefer kennenzulernen und ihn als
Lebenswirklichkeit in meinem Leben zu erfahren. Mission ist schlicht das
Erzählen von der Hoffnung, die uns erfüllt. Jenen Menschen gegenüber,
die an die Kirche noch nicht so den Anschluss gefunden haben, bis hin
zu jenen, die ungetauft sind, die vom Christentum noch nie etwas gehört
haben.
Kardinal Schönborn spricht im Zusammenhang mit Mission
vom „Vorhof der Heiden“. Sind wir imstande, einen solchen „Vorhof“ offen
zu halten und zu gestalten?
Scharf: Ich denke, dass es notwendig
ist. Wobei viele Pfarren das, was der Kardinal meint, auch mit anderen
Bildern zu beschreiben versuchen, wenn man etwa von offenen, unscharfen
Grenzen spricht. Es ist sehr schwierig zu sagen: Wo ist die Grenze von
Kirche, wo von Gemeinde? Nach welchen Kriterien lege ich das fest? Sind
das jene, die ehrenamtlich mitarbeiten? Oder jene, die sonntags in die
Kirche gehen, oder jene, die den Kirchenbeitrag zahlen? Die Bandbreite
ist sehr groß. Wir haben als Kirche die Aufgabe und die Pflicht, viele
Andockmöglichkeiten für Menschen zu finden, sie einzuladen, mit uns
in Berührung zu kommen. Ob das Heiden im klassischen Sinn sind, also
Menschen, die nicht getauft sind, oder Menschen, die noch nicht so mit
uns partizipieren, wie wir es gerne hätten, will ich einmal offen
lassen. Wobei es schwierig ist, von uns aus festzulegen, wer
dazugehört. Da bin ich vorsichtig. As Kirche brauchen wir diese
Andockstellen: Der ganze Prozess Apg2010 dient letztlich dazu, den
Menschen zu ermöglichen, in solche Vorhöfe, Höfe, in Kirche
hineinzukommen.
Interview: Stefan Kronthaler, "Der Sonntag"
(red)